Jan. 222026
 

Ein interessanter Bericht vom „deroldtimer.berichterstatter“ verdient, gelesen zu werden.

Sorge geht bei vielen Oldtimerliebhabern um. Der Preisverfall etlicher Modelle ist kaum zu übersehen. Selbst vormals beliebte Modelle von Porsche sind betroffen. Gut für Käufer, Horror für Verkäufer! Warum ist das so? Stirbt der Oldtimer aus? Was passiert da gerade und warum sind nicht alle Modelle betroffen? Was haben das Fahrzeugalter und das der Oldtimerliebhaber damit zu tun? Warum finden gerade kleine Kinder Vorkriegsklassiker toll? Warum sind Kombis und Kleinwagen im Vergleich weniger verbreitet als Sportwagen und Limousinen? Viele Fragen stehen im Raum. Die Antworten sind vielfältig und gut nachzuvollziehen. Ich habe etwas recherchiert und nachgedacht. Die Ergebnisse lest ihr hier!

Sinkende Preise bei Oldtimern, warum?
Seit einiger Zeit erleben wir eine, zum Teil heftige, Marktkorrektur auf dem Oldtimermarkt. Einige Fahrzeuge sind besonders betroffen. Nämlich jene Oldtimer, die über die letzten Jahre gehypt wurden. Oft Massenmodelle aus den 1960er- und 1980er-Jahren. Die Serienmodelle von Porsche (911) und Mercedes-Benz (Pagode) erreichten Preise jenseits von gut und böse Selbst verranzte Rostlauben wechselten für viel Geld den Besitzer. Diese Blase ist nun geplatzt. Selbst die einst so beliebten Klassiker wie VW Käfer und BMW 02 sind in der Gunst der Käuferschaft gesunken. Wirklich von Wert sind meist nur bestimmte Sondermodelle mit Seltenheitswert, Rennhistorie oder berühmten Vorbesitzern. Durch die Vielzahl der angebotenen Exemplare wurde der Markt übersättigt. Gleichzeitig rutschte die Nachfrage in den Keller. Wertverluste im zweistelligen Prozentbereich sind keine Seltenheit.
Nehmen wir den Aston Martin Lagonda. 2020 war er noch für etwa 80.000 Euro zu haben. 2025 ist der Preis für ein gutes Exemplar um 16,25 Prozent auf etwa 67.000 Euro gefallen. Der Mercedes-Benz 450 SE (W 116) musste im selben Zeitraum einen Wertverlust von 12,5 Prozent verkraften. Besonders stark hat es den Porsche 928 GTS getroffen. Ganze 18,3 Prozent büßte er ein.
Andere Fahrzeuge legten im gleichen Zeitraum bemerkenswert zu. Insbesondere Modelle der 1980er- und 1990er-Jahre. So gewann beispielsweise der BMW 325i Baur (E36) 245 Prozent. Der Honda CRX schaffte gar 260 Prozent! Der Volvo 850 T5 Kombi auf solide 228 Prozent.
Hier kommt neben einer logischen Preiskorrektur auch der psychologische Aspekt ins Spiel. Seien wir doch mal ehrlich: Welche Oldtimer lösen bei uns die größten Emotionen aus? In den meisten Fällen sind das Fahrzeuge, mit denen wir in unserer Kindheit/Jugend zu tun hatten. Vaters alter Benz, bei dem Du das erste Mal auf dem Beifahrersitz mitfahren durftest, oder der Lancia Fulvia des Onkels. Oder eben die sogenannten „Poster-Cars“ aus der Jugendzeit. Sportliche oder besonders exklusive und luxuriöse Modelle, die unerreichbar erscheinen. Eher selten sind es Autos (oder Motorräder), die weit vor unserer Geburt aktuell waren. Ja, wir schauen natürlich auch einem Mercedes-Benz W 136 staunend hinterher. Einen Kauf würden vermutlich die wenigsten in Betracht ziehen. Es fehlt der persönliche Bezug zu solch einem Wagen.
Vorkriegs-Oldtimer
Gerade bei den Vorkriegsklassikern ist die Tendenz zu sinkender Nachfrage und einhergehenden fallenden Preisen seit Jahren zu beobachten. Wertstabil oder gar teurer werdend sind nur einige wenige Klassiker. Dieser Trend wird sich vermutlich auch nicht mehr umkehren. Was sicher nicht heißt, dass einem solche Autos hinterhergeworfen werden. Aktuell erleben wir die größte Nachfrage nach Young- und Oldtimern der 1990er bis frühen 2000er Jahre. Doch demografisch gesehen wird dieser Trend auch nur vorübergehend sein.
Dazu kommt eine große Unsicherheit über die politische und wirtschaftliche Entwicklung. Letztendlich eine Mischung vieler Gründe, warum die Nachfrage nach Oldtimern stagniert.
Die größten Fans der ältesten Autos sind die jüngsten Kinder!
Kleinere Kinder sind von den einfachen, uralten und lauten Oldtimern am ehesten begeistert. Die Formen der Autos aus gängigen Kinderbüchern erinnern oft stark an Vorkriegsklassiker. Besonders Fahrzeuge mit freistehenden Lampen und markantem Kühlergrill sorgen für Emotionen. Einprägsame Linien, eine Front, die einem lächelnden Gesicht ähnelt, Knattern und die Farben geben das Gefühl, das Auto hätte eine Persönlichkeit. Auch wenn die Kleinen weder Geschichte noch Technik der Oldtimer kennen, geschweige denn verstehen, werden die Gefährte zum Spielkameraden und Abenteuermobil. Wenn die Kids dann auch noch einsteigen, es berühren dürfen und Opa noch eine Geschichte erzählt, dann ist es geschehen. Kinder haben eine andere Verbindung zu den alten Schmuckstücken. Wo bei uns Erwachsenen oft die technischen Aspekte eine Rolle spielen, sind es bei Kindern die Emotionen, die sie besser greifen können als die Eltern.
Wie sehr die Psychologie mit der Oldtimerszene verbunden ist, zeigt sich auch in den erhaltenen Fahrzeugen. Zahlenmäßig dominierend sind wohl die männlichen Oldtimerbesitzer. PS-starke Autos werden vor allem von Männern gekauft. Oft geht es um Geschwindigkeit und Status. Das ist schon bei Neuwagen so. Frauen hingegen wählen ihr Fahrzeug nach anderen Kriterien. Form, Sicherheit und Platz (Familienplanung) standen und stehen im Vordergrund. Darum waren in den 1980ern und 1990ern Kombis ganz oben auf der Wunschliste. Heute ist es der SUV. Natürlich auch praktische Kleinwagen. Was wir heute beobachten können: Kombis sind in der Oldtimerszene eher selten anzutreffen. Sportwagen und Limousinen sind in der Überzahl. Eigentlich schade. So viele tolle Fahrzeuge fliegen so unterm Radar und drohen auszusterben.
Was macht einen Oldtimer eigentlich für wen interessant? Oldtimer, insbesondere jene, die vor 1980 gebaut wurden, waren nicht nur ein Fortbewegungsmittel. Sie strahlten Individualismus und Handwerkskunst aus. Sie waren Teil unserer Kindheit/Jugend und lassen heute nostalgische Erinnerungen aufkommen. Klassische Fahrzeuge versprühen Emotionen. Gefühle von Freiheit und Abenteuer. Autos hatten damals eine besondere Bedeutung, die heute durch Austauschbarkeit, Erschwinglichkeit und Alltäglichkeit verlorengegangen ist. Wer kann sich beispielsweise in 30 Jahren einen Tesla oder VW ID. 7 mit historischen Kennzeichen vorstellen? Lassen sich diese Fahrzeuge aus der Ferne überhaupt noch unterscheiden? Sicher, einige dieser Modelle werden überleben. Ob sie die gleichen Emotionen auslösen, wie es heutige Oldtimer tun, bleibt fraglich.
Und noch etwas kommt hinzu. Jüngere Generationen verlieren den Bezug zum Individualverkehr. War der Führerschein vor Jahren noch existenziell für eine berufliche Karriere, rückt er heute zunehmend in den Hintergrund. Insbesondere im städtischen Bereich ist ein eigenes Auto heute ein verzichtbarer Luxus. Ist doch einmal ein Fahrzeug nötig, greifen immer mehr Menschen auf Car-Sharing zurück. Die Prioritäten haben sich eben verschoben. Damit natürlich auch das Interesse an alten Fahrzeugen. Schließlich lassen sich Oldtimer ja auch im Museum bewundern. Ohne die finanzielle Belastung, die der Besitz eines solchen Fahrzeuges mit sich bringt. Ja, es ist schade, aber in gewisser Weise auch nachvollziehbar.
Was haben Werkstätten mit der nachlassenden Nachfrage zu tun?
Ja, einige Oldtimerbesitzer schrauben selbst. Doch die Liebe zum alten Eisen bedeutet nicht zwangsläufig, dass Erfahrung, Ausstattung oder Interesse vorhanden sind, um das Fahrzeug selbst zu restaurieren oder zu warten. Nicht wenige Eigentümer von Oldtimern sind hier auf professionelle Hilfe von Werkstätten angewiesen. Und diese sterben langsam aus! Nein, nicht die Werkstätten als solche. Aber die alten Werkstattmeister, die sich mit der (oft eigentümlichen) Technik auskennen. Ich habe es selbst erlebt! Schon mit einem Volvo 850 aus den 1990er Jahren sind manche Fachwerkstätten überfordert. Das gute Stück besaß einen Vorläufer der OBD-Diagnose. Das „Ausblinken“ der hinterlegten Fehler musste ich übernehmen. Ohne moderne Diagnosesysteme sind nicht wenige Werkstätten kaum in der Lage, Fehler zu orten. Natürlich gibt es auch interessierte und ambitionierte Mechaniker, die das „Oldschool-Schrauben“ beherrschen. Leider ist das allerdings nicht der Alltag!
Und genau diese Problematik lässt so manchen Oldtimerbesitzer verzweifeln. Der Erhalt des automobilen Kulturgutes wird zunehmend teurer. Die Suche nach einem passenden Betrieb wird aufwändiger und die Wege werden weiter. Das schlägt sich nicht nur im Preis, sondern auch auf das Nervenkostüm des Besitzers nieder. Der mitlesende Mechatroniker möge mir verzeihen, es ist keine Generalkritik. Die moderne Technik braucht Fachleute. Techniker, die sich mit Elektronik auskennen. Altes Eisen ohne Schnickschnack ist immer weniger unterwegs und es lohnt sich für die meisten Werkstätten nicht, jemanden speziell dafür zu schulen.
Dazu kommen bei vielen Modellen Probleme mit der Ersatzteilversorgung. Meist stellen die Hersteller die Produktion irgendwann ein. Für die Zulieferindustrie ist es oft nicht lukrativ, entsprechende Teile anzubieten. Gebrauchtteile sind für nicht wenige Oldtimer zu Goldstaub geworden.
Wie wird sich das alles entwickeln? Stirbt der Oldtimer?
Ich bin mir sicher: Nein, der Oldtimer stirbt nicht. Allerdings verkleinert sich der Kreis derer, die selbst ein klassisches Fahrzeug erhalten. In einigen Jahren werden vor allem diejenigen die Oldtimerszene tragen, die einen sehr starken Bezug zu ihren Schätzen haben. Das Hobby wird für halbherzige Liebschaften zu teuer und zu aufwändig. Zudem bin ich der Meinung, viele Oldtimer gehören Leuten, die sie als Wertanlage sehen. Das sogenannte „Garagengold“. Etliche dieser Schätze verlieren an Wert und sorgen bei den Besitzern für Ernüchterung. Ich denke auch, dass sich der Markt in der Fläche in absehbarer Zeit nicht großartig erholen wird. Nein, das ist keine Schwarzmalerei! Einige besondere Stücke werden sicher auch weiterhin als Garagengold von Wert sein. Die Oldtimerszene selbst wird vielleicht kleiner, aber die Akteure werden stärker zusammenwachsen als je zuvor. Die Exklusivität eines Oldtimers bleibt erhalten. Und auch die Blicke Außenstehender werden nicht weniger! Es wird eine spannende Zeit!
Fazit
Oldtimer lohnen sich als Kapitalanlage mit Wertsteigerungspotenzial nur noch bedingt. Hier sollten Sie genau schauen, welche Modelle mit etwas Glück zulegen könnten. Es bleibt allerdings ein Glücksspiel. Für Liebhaber, denen es um Emotionen, Spaß und technisches Interesse geht, wird sich nicht so viel ändern. Außer vielleicht, den richtigen Zeitpunkt für den Kauf auszuwählen und den perfekten Traumklassiker zu finden.
Nun bist Du an der Reihe! Wie siehst Du die Entwicklung des Oldtimermarktes/der Oldtimerszene? Erleben wir eine Renaissance oder stirbt das alte Eisen?
Resümee meinerseits als Oldtimer Berichterstatter, es wird weiter Oldtimer geben und die heutigen Youngtimer rücken eben nach.
Gruß Olaf, deroldtimer.berichterstatter