Barlin Berlinetta

Man kann an eine solche Geschichte von vielen verschiedenen Seiten herangehen. Das Ergebnis ist letztlich immer dasselbe; es zeugt von einer Art atypischer Symbiose zwischen Mann und Oldtimer. Hier konkret: STOGC-Mitglied Harald Pelz und sein Marlin Berlinetta.

Im Gegensatz zu seinem Bruder, der sich zum Kraftfahrzeugmechaniker ausbilden ließ, zog es Harald beruflich mehr zur Feinmechanik. Was ihn aber keineswegs daran hinderte, seine Liebe zum Schrauben am väterlichen Skoda auszuleben. So erwarb er bereits ab der frühen Jugend sukzessive Sachverstand und Routine im technischen Umgang mit Kraftfahrzeugen. Ein sehr ausgefülltes Berufsleben gab ihm nicht den zeitlichen Spielraum, den es gebraucht hätte, ein eigenes KFZ-Projekt zu realisieren.

Mit dem Übertritt in den Ruhestand vor wenigen Jahren änderte sich das mehr oder weniger schlagartig und Harald wusste die neugewonnene Freizeit zu nutzen, ohne sich blindlings in ein Oldtimer-Abenteuer zu stürzen. Er hatte vorgesorgt. Schon längere Zeit hatte er in etwa ein Projekt vor Augen, doch vorläufig nichts Konkretes. Er durchforstete Fachjournale und zahlreiche Homepages.

Auf einer dieser Seiten stieß er auf ein Kit Car, an dem er Gefallen fand. Für all jene Leserinnen und Leser, die mit dem Ausdruck Kit Car wenig anzufangen wissen, sei kurz erklärt, dass es sich dabei um Fahrzeuge handelt, die aus einem Bausatz bestehen. Ziel dabei ist, ein rares, im preislichen Hochsegment angesiedeltes Fahrzeug optisch nachzubilden, oder ein völlig individuelles Fahrzeug zu schaffen. Fahrzeuge dieser Art sind vor allem in Großbritannien beliebt und auch weit verbreitet.

Bei Durchsicht ungezählter Magazin- und Homepageseiten fiel Haralds Auge letztlich auf einen aus dem Jahre 1986 stammenden Marlin, exakt auf einen Marlin Berlinetta (wobei „Berlinetta“ traditionell für die komfortablere Ausstattung eines Sportwagens steht). Ein Fahrzeug britischer Provenienz. Es wird wohl einige Experten geben – mittlerweile zählt sicher auch Harald Pelz dazu -, die aus dem Stegreif über den Konstrukteur und die Entstehungsgeschichte dieser Fabrikation erzählen können. Für alle anderen Oldtimerfreunde ein kurzer Abriss, den man bei Interesse auch breit gefächert im Internet nachrecherchieren kann.

Der Brite Paul Moorhouse stand als Ingenieurlehrling in Diensten der Firma Rolls Royce und absolvierte danach eine Ausbildung zum Lehrer, Schon während dieser Ausbildungszeiten befasste er sich mit Vorliebe damit, Wasser- und Landfahrzeuge zu konstruieren und zu bauen; so entwarf er einen 12 Meter langen Yachtrumpf aus Stahl, um ihn anschließend selbst zu fertigen. In dieselbe Zeitspanne fallen Entwurf und Realisierung von sechs verschiedenen Autos, die auf unterschiedlichen Marken, wie etwa Jaguar und Triumph etc., basierten. Aus dem Hobby wurde letztlich seine Profession.

1979 rollte dann der erste Marlin Roadster aus der Moorhouse’schen Produktionsstätte (in Summe wurden davon über 2.500 Stück erzeugt), ab 1984 folgte dann die aufwendiger gearbeitete Version Marlin Berlinetta – aufziehbare Fenster, abschließbarer Kofferraum, Hardtop-Option etc.-vom Band. Dieses Modell stellte man bis 1992 her; in Summe 422 Exemplare., Der Marlin verfügt über ein extrem stabiles Kastenprofilchassis. In der Karosserie finden sich Aluminium (für die Flachteile) und Fiberglas (für die Formteile). Die Marlins konnten eine nahezu unbegrenzte Zahl an verschiedenen Motoren aufnehmen, etwa Ford Sierra, Ford Cortina udgl. mehr. Moorhouse hatte ab 1984/1985 neben der Autoproduktion ein weiteres Projekt laufen; er konstruierte ein U-Boot und ließ es in der Firma Marlin Engineering bauen. Das führte schließlich 1992 dazu, dass er die Rechte am Roadster und seiner 2+2 Schwester Berlinetta an Yorkshire Kit Cars verkaufte.

Und damit zurück zu Harald Pelz und seiner Marlin Berlinetta; das Fahrzeug wurde 1986 als Cabrio erzeugt, es wird angetrieben von einem Vierzylinder Ford Cortina Aggregat mit 1.993 ccm, hat ein Eigengewicht von 815 Kilogramm, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von ca 167 km/h, ist natürlich Rechtslenker und hat zwei britische Vorbesitzer, Der Wagen war beim Kauf von einem deutschen Händler absolut fahrbereit und durchaus herzeigbar. Allerdings war ein gewisses Nagen des Zahns der Zeit unverkennbar.

Für Harald als ambitionierten Schrauber bedeutete das natürlich aktiv zu werden. Sukzessive machte er sich an die Behebung kleinerer Wehwehchen am Wagen. Ein wiederkehrender Kühlwasserverlust erzwang den Ausbau des Motors, um die undichte Anschlussstelle zu reparieren. Im Zuge dessen zeigten sich weitere abgenützte Komponenten, die er dann Schritt für Schritt erneuerte.

Entsprechende Ersatzteile zu bekommen, war kein Problem. Da ihm die Farbkombination der Zweifarbenlackierung nicht wirklich gefiel, entschloss er sich zu einer Neulackierung, was nicht zuletzt auch durch die Demontage/Montage aller abbaubaren Karosserieteile ein ordentliches Arbeitspensum erforderte. Auch das hölzerne Armaturenbrett zeigte deutliche Abnutzungsspuren und wurde von Harald durch ein selbstgefertigtes neues ersetzt. Um der Restaurierung quasi die Krone aufzusetzen, erhielt die Berlinetta ein neues Stoffverdeck, obwohl das alte noch rundum absolut dicht war.

Und somit steht bei Harald Pelz nun ein kleines Schmuckstück auf vier Rädern in der Garage. Er darf zu Recht stolz darauf sein und wir wünschen ihm noch viel Freude damit, vor allem bei unseren Club-Ausfahrten.

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